Der Schatz der Nibelungen – Teil 2/2 – Auf den Spuren des Goldes

Wo ist der Schatz der Nibelungen? Ist er für immer im Rhein verloren? Mit der Sage vom Nibelungengold erhielt die Schatzsuche immer wieder neuen Auftrieb. Ein bizarrer Höhepunkt ereignet sich in den 1930er Jahren. Hermann Göring ließ einen riesigen Schwimmbagger bauen, um den Rhein nach dem Nibelungengold abzusuchen. Die Ausbeutewar eher gering: 300 Gramm Rheingold werden gefördert – grade genug für einen Ring.

Selbst heute trifft man am Rhein noch Abenteurer, die an dem alten Strom ihr Glück versuchen. Tatsächlich wurde schon so mancher Schatz aus seinem Flussbett gehoben. Im Museum in Speyer künden eine Unmenge von Metallobjekten, Waffen, Bronzegefäße und 165 Silberobjekte von den Raubzügen der Germanen (unter ihnen vieleicht auch die Burgunder) in den römischen Provinzen. Der Hortfund wurde in einem Baggersee bei Hagenbach und Neupotz zu Tage gefördert. Früher verlief an dieser Stelle der Rhein mit einem Tiefgang von etwa drei Metern und einer eher trägen Strömung. Der Silberschmuck besteht aus 25 Einzelstücken, darunter Halsreifen, Arm- und Ohrringe und drei Fibeln. Dass der Silberschmuck aus den germanischen Beutezügen im gallischen Raum stammt, gilt als gesichert: Die Gegenstände wurden in der römischen Provinz Aquitanien gefertigt, das besagen die Inschriften der Beute, die aus einem Tempel des Kriegsgotts Mars stammen. Und der Schatz wurde in gleiche Teile zerhackt, weil die Plünderer nur an dem Materialwert interessiert waren und sich so das Diebesgut besser unter den Kriegern aufteilen ließ. Doch der Schatz der Nibelungen war es keineswegs.

Der Schlüssel des Nibelungenschatzes ist der Untergang des Volks der Burgunder. Wer waren die Burgunder wirklich? Indizien liefert das Nibelungenlied selbst: Siegfried, Königssohn aus Xanten, besiegt im Nibelungenberg mit seinem Zauberschwert den furchtbaren Drachen Fafnir und wird durch ein Bad in dessen Blut unverwundbar. Wer war Siegfried? Hat die Figur historische Vorbilder? Der Legende nach wird der junge Siegfried im Wald ausgesetzt, von einer Hirschkuh aufgezogen und tritt in die Lehre des Meisterschmiedes Wieland, mit dessen Hilfe er das berühmte Schwert Balmung schmiedet.Nach der Eroberung des Schatzes geht er in die Königsstadt Worms, um Kriemhild zu freien, die schöne Schwester der Herrscherbrüder Gunther, Gernot und Giselher.

König Gunther ist bereit, Siegfried seine Schwester zur Frau zu geben, doch nur unter seinen Bedingungen. Siegfried soll ihm helfen die bärenstarke, isländische Königin Brunhilde zu bezwingen – im Kampf wie auch im Ehebett. Kurze Zeit danach wird Doppelhochzeit gefeiert. Mit der Zustimmung König Gunters wird Hagen von Tronje später den ahnungslosen Siegfried hinterrücks ermorden. Der erste Teil des Epos endet mit der Versenkung des Schatzes im Rhein – allein Hagen kennt die Stelle.

144 Ochsenkarren voller Gold und Edelsteine – den genauen Ort kennt nur er. Lassen sich auch diese literarischen Ereignisse auf einen historischen Kern zurückführen? Die Ursprünge der Sage reichen bis in das Zeitalter der germanischen Völkerwanderung zurück. Die Römer versuchen ihre Limesgrenzen zu verteidigen, die germanischen Völker drängen nach Gallien und in den reichen Süden – das Römische Reich beginnt zu zerfallen. Auch die Burgunder – im Epos mit dem Volk der Nibelungen gleichgesetzt – müssen ihr Stammesgebiet verlassen und ziehen an den Rhein, führt Burgunderexperte Reinhold Kaiser aus. Doch hier haben sie auch nicht viel Glück.

Gundomar, Giselher und Godomar sind verbürgte burgundische Königsnamen – und entsprechen offenkundig den Namen im Nibelungenlied. „Die Namen variieren leicht, aber trotzdem lässt sich so ein Grundstock von Namen nennen der eben bei den historischen Burgundern und in der Sagenwelt der Gleiche ist. Das ist eine echte Übereinstimmung“, sagt Reinhold Kaiser. Sowohl in der Sage als auch historisch werden die Burgunder fast vollständig vernichtet. Im Nibelungenlied wird das Volk durch Kriemhild am Hof ihres neuen Gemahlen Etzel verraten. Etzel ist nachweislich die literarische Verarbeitung von Attila, der Herrscher des legendären Reitervolkes – den Hunnen. Historische Parallelen sind in der Katastrophe des burgundischen Stammes um 435/436 zu sehen. Die Burgunder fallen in Gallien ein – sie sind auf Beutezug. In den Ardennen wird ihr Vormarsch gestoppt und sie werden von mit Römern verbündeten Hunnen grausam abgeschlachtet – über 20000 Tote überliefern die Quellen. Die Burgunder werden von den Römern unterworfen und müssen an die Rhone, ins heutige Burgund, umsiedeln. Was ist mit den Reichtümern der stolzen Burgunder geschehen. Vielleicht haben ihn die Römer konfisziert, vielleicht wurde er aber auch von den Burgundern für „bessere Zeiten“ im Rhein deponiert?

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